Institut für Palästinakunde
- IPK -

Start / Gesellschaft / Zensur / 2017022500

Smearing Dr. Farid Esack: 'Welt' & 'Hamburger Abendblatt' [25.02.2017]

Farid Esack Ein Teil der Verleumdungskampagne gegen den südafrikanischen Islamgelehrten und BDS-Aktivisten Dr. Farid Esack bestand in dem permamenten Versuch der 'Welt' und des 'Hamburger Abendblatts', Dr. Esack als einen Apologeten der Steinzeit-Islamisten des Islamischen Staats erscheinen zu lassen.

Das erscheint zunächst als ein verwegenes Unterfangen angesichts der Tatsache, dass Dr. Esack als Befreiungstheologe gilt und eine ausgesprochen unorthodoxe Sicht des Islams vertritt.

Kein Problem für Journalisten der 'Welt' und des 'Hamburger Abendblatts'. Ihnen genügte dazu ein aus dem Kontext gerissener Satz aus einem Vortrag, den Dr. Esack bei der Konferenz Islamfeindlichkeit und Rechtspopulismus als Herausforderung für Islam und Demokratie in Europa am 15. Januar 2017 in den Räumen von Hamburgs Islamischen Zentrum hielt.


Das Original

Wir zitieren im Folgenden eine Passage aus dem Transkript des Vortrags, das uns von den Veranstaltern freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde. Darin beleuchtet Dr. Esack das Spannungsfeld zwischen Mehrheits- und Mindertheitsrechten innerhalb einer Demokratie:

The second point that I want to make is this; that democracy is not simply the question of the counting of heads.

Democracy is also in intrinsically tied to the notions of freedom - and this means that it is not simply a question of a simple majoritarianism. There are deep issues of human rights involved, there are issues of the protection of minorities involved and there is the question of the respect for diversity and above all the respect for the contestation of ideas.

And in a society that is free ideas are fought with ideas. Ideas are not fought with imprisonment. Ideas are not formed with weapons. Ideas are formed with ideas.

I live in a democratic society. Perhaps one of the most democratic societies in the world.

A tiny part of the South African population support communism. But the communists in South Africa are completely free to argue for the establishment of a communist state in South Africa. And so, I don't have any affinity with the idea of establishing an Islamic State in Germany. But I would insist that freedom of ideas and freedom of expression must include the idea that “I want this kind of state” and if there are Muslims who are keen to have an Islamic State in Germany, have the freedom to argue for it - in the same way that in different forms there are other people in other societies who are struggling to envisage, to create societies alongside their religio- or moral dreams.


Die Fälscher

In dem 'Welt'-Artikel Islamfeindlichkeit war noch nie so stark wie heute vom 16. Januar kondensiert die obige Passage aus dem Vortrag Esacks zu folgendem Satz:

Es gelte aber [so Dr. Esack] Meinungsfreiheit. „Die Idee eines islamischen Staates in Deutschland muss vertreten werden dürfen“, forderte er.

Immerhin ein unbestimmter Artikel vor dem kleingeschriebenen “islamischen Staat” …

Am 23. Januar 2017 heisst es in dem 'Welt'-Artikel Darf ein israelkritischer Dozent lehren?:

Erst vor Kurzem hatte Esack in Hamburg während einer Islamdiskussionsrunde mit einer umstrittenen Äußerung für Aufsehen gesorgt: „Die Idee eines islamischen Staates in Deutschland muss vertreten werden dürfen“, forderte der Südafrikaner.

Am 24. Januar 2017 fällt der erste Politiker, AfD-Sprecher Jörn Kruse, in die von der 'Welt' aufgestellte Falle.
In dem 'Welt'-Artikel Universität prüft Vorwürfe gegen umstrittenen Dozenten heisst es:

„Wer der Ansicht ist, dass die Ideen des verbrecherischen Regimes Islamischer Staat in Deutschland diskutabel sind, der darf keine Studenten an einer staatlichen Hochschule unterrichten“, sagte Kruse.

Im 'Hamburger Abendblatt' findet man am selben Tag einen Artikel Antisemit als Gastprofessor? Universität wehrt sich, in dem es heisst:

Nach Aussagen von Teilnehmern soll sich Esack dort für die Idee eines "Islamischen Staates" in Deutschland offen gezeigt haben.

Durch den mit einem Grossbuchstaben beginnenden islamische Staat wird Dr. Esack im 'Hamburger Abendblatt' endgültig zu einem Vertreter des IS.

Am 26. Januar 2017 wiederholt die 'Welt' in dem Artikel Volker Beck greift Hamburger Universität scharf an:

Mit seinen Äußerungen erregt er allerdings immer wieder für Aufsehen: Esack fordert unter anderem, dass die Idee eines islamischen Staates in Deutschland vertreten werden dürfe.

Am 28. Januar 2017 wiederholt das Hamburger Abenblatt in Streit um Dozent Esack: Grüner Volker Beck kritisiert Uni die Geschichte:

Zudem fordert er, dass die Idee eines islamischen Staates in Deutschland vertreten werden dürfe.

Am 3. Februar 2017 fällt der nächste Politiker, Dietrich Wersich von der CDU, in die von der 'Welt' aufgestellte Falle.
In dem 'Welt'-Artikel Fegebank setzt Hamburger Universität unter Druck heisst es:

Dietrich Wersich (CDU) …, macht deutlich … „Wer antizionistische Ziele vertritt, die Idee des ,Islamischen Staates‘ in Deutschland diskutabel findet, ist als Lehrender an der Akademie nicht akzeptabel und kein gutes Vorbild“ ...

Am 10. Februar 2017 wiederholt die 'Welt' in dem Artikel Stiftung finanziert Israelkritiker – gibt Schuld aber anderen:

... auch die kürzlich getätigte Forderung, die Idee eines Islamischen Staates in Deutschland diskutieren zu dürfen, sorgte für Aufsehen.

Durch den mit einem Grossbuchstaben beginnenden islamische Staat wird Dr. Esack nun auch in der 'Welt' einem Vertreter des IS.

Zuletzt erschien am 18. Februar im 'Hamburger Abendblatt' ein Artikel Antisemitischer Professor – Akademie räumt Fehler ein, der Dr. Esack zum Vordenker eines deutschen IS erklärt:

Der Islam-Lehrer hatte zum Boykott Israels aufgerufen und im Islamischen Zentrum an der Alster Mitte Januar gesagt, man müsse die Idee eines "Islamischen Staates in Deutschland" denken können.

So wird aus einem renommierten islamischen Befreiungs-Theologen ein IS-Propagandist und Antisemit.


Zusammengefasst

Selbst Dr. Esacks explizite Erklärung, keinen 'islamischen Staat' in Deutschland zu wollen - I don't have any affinity with the idea of establishing an Islamic State in Germany - schützt ihn nicht davor, zu einem Apologeten oder Vordenker des IS erklärt zu werden.

Die von der 'Welt' und dem 'Hamburger Abendblatt' inszenierte Schmierenkampagne zeigt dazu einmal mehr, dass die Herrschaften ihren Goebbels nur allzugut kennen: Jede Lüge wird - wenn sie nur oft genug wiederholt wird - zur Wahrheit.

Ein Verfahren, das auch für den "Beweis" des Antisemitismus der BDS-Kampagne eingesetzt wird oder die Verbreitung des fiktiven "Existenzrecht Israels" - wie immer gestützt auf die schwergewichtigen Meinungen (!) ebenso unfehlbarer wie unbestechlicher Experten aus dem Dunstkreis der israelischen Botschaft und deren Vorfeld-Organisationen.

Wer die Presse kontrolliert, der kontrolliert auch die Realität.

 (ts)

Eine Über­sicht über un­sere ak­tuel­len Nach­rich­ten zum Thema Zen­sur fin­den Sie hier.

Eine Über­sicht über un­ser Nach­richten-Archiv zum Thema Zen­sur fin­den Sie hier.

© IPK